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Hochschulpresse: Presseartikel 2007

Rechnen lohnt sich

Elf Bundesländer verlangen inzwischen Studiengebühren. Doch je nach Hochschule fallen sie unterschiedlich hoch aus

München, Köln, Münster. An den drei größten deutschen Universitäten und an weiteren 159 Hochschulen in Deutschland müssen die Studenten mittlerweile Studiengebühren zahlen. Da könnte es also aus pekunitären Gründen egal sein, an welcher man sich einschreibt. Ist es aber nicht. Denn zwischen München,Köln und Münster liegen 225 Euro.

Und das geht so: die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) verlangt derzeit 300 Euro an Studiengebühren – seit dem vergangenen Sommersemester; an der Universität Köln belaufen sich die Beiträge für alle Studenten seit dem Sommersemester auf 500 Euro, wobei die Erstsemester bereits ein halbes Jahr früher zum Zahlen aufgefordert wurden. Und in Münster, der drittgrößten Uni in Deutschland, zahlen Immatrikulierte lediglich 275 Euro – und das auch erst seit dem gerade angelaufenen Wintersemester.

Dass es zu diesem Wirrwarr kommt, liegt daran, dass die Einführung von Studiengebühren Ländersache ist. Die einzelnen Bundesländer entscheiden jedoch nicht nur darüber, ob sie eine Campus-Maut einführen, sondern auch in welcher Form. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise gibt das Studienbeitragsgesetz lediglich eine Höchstgrenze von 500 Euro pro Semester vor, ob und in welcher Höhe eine Hochschule davon Gebrauch machen will, ist ihr überlassen.

Sieben Bundesländer haben bislang allgemeine Studiengebühren eingeführt: Hamburg, Hessen, das Saarland, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Diese sowie Rheinland-Pfalz, Bremen, Thüringen und Sachsen-Anhalt verlangen darüber hinaus auch Langzeitstudiegebühren, die mehr als 500 Euro pro Semester betragen können. In Hessen etwa berappen Studenten, die ihr Studium nicht in der vorgesehenen Zeit bewältigen, bis zu 1400 Euro im Halbjahr. Vollkommen beitragsfrei ist der Unibesuch für alle Studenten ungeachtet ihrer Verweildauer zurzeit nur in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein.

Doch dank diverser Ausnahmeregelungen lassen sich die Gebühren auch an den insgesamt 162 kostenpflichtigen Hochschulen reduzieren - entweder weil man bestimmte soziale Kriterien erfüllt, beispielsweise wegen Kindererziehung oder Behinderung oder weil man besonders gut ist. So können an Hamburgs Hochschulen Abiturienten mit einem Notendurchschnitt von mindestens 1,3 von den ersten drei Semestergebühren befreit werden. Ein Intelligenzquotient von 130 und mehr wird an der Universität Freiburg mit gebührenfreien Semestern honoriert. In Passau erlässt man allen Stipendiaten der elf großen Förderwerke den Unibeitrag, an der Bonner Universität dagegen erhalten nur die Stipendiaten der Studienstiftung des Deutschen Volkes einen 500-Euro-Nachlass pro Semester.

Das alles klingt höchst ungerecht. Warum zahlen Studenten an der Technischen Universität München 500 Euro, Kommilitonen an der wenige Kilometer entfernten LMU aber nur 300? Warum zählt mal der Abi-Durchschnitt, mal der IQ? Weshalb gilt einer Uni jenes Stipendium mehr als das einer anderen Organisation? Wieso dürfen an manchen Unis sogar einzelne Fakultäten darüber entscheiden, welchem Studenten sie die Gebühren erlassen und welchem nicht?

Doch es sind nicht nur die unterschiedlichen Beitrags- und Ausnahmeregelungen, die zu Verwirrung führen. Auch mit der Verwendung der Studienbeiträge ist der akademische Nachwuchs unzufrieden. Einen „Gebühren-Frust“ hat das Bewertungsportal Unicheck im Sommer unter 5000 befragten Studenten aus mehr als hundert Hochschulen mit Studienbeitragspflicht in punkto Service- und Lehrqualität ausgemacht. Interessanterweise kommen in Sachen Lehrpersonal, Infrastruktur, Lehre, Bibliothek und Verwaltung tendenziell die kleineren Hochschulen, die Gebühren erheben, besser weg als die großen. Die beste Verwendung der Gebühren gibt es der Untersuchung zufolge an der Fachhochschule Deggendorf. Dagegen landet ausgerechnet die Kölner Uni mit rund 4700 eine der größten Hochschulen Deutschlands, beim Studiengebühren-Ranking auf den letzten Platz. Berit Schmiedensdorf

 

Süddeutsche Zeitung vom 20./21. Oktober 2007

 

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