Kinder schauen ins Gehirn des Computers |
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Vorlesung in der Reihe Kinder-Uni - Acht- bis Zwölfjährige überraschen mit Fachwissen und großem InteresseAriane P. Freier - Deggendorf. Hannah aus Deggendorf ist elf und ein aufgewecktes Mädchen. Mit Computern hat sie bisher allerdings nur ein bisschen gearbeitet. Deshalb sitzt sie in der zweiten Reihe im Josef-Rädlinger-Hörsaal an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Deggendorf. Ich möchte schon voll Bescheid wissen, wie der Geist in die Maschine kommt, sagt sie. Die Kinder-Uni hilft ihr weiter. Gestern sind Prof. Dr.-Ing. Andreas Grzemba und sein Assistent Benedikt Bradler vom Fachbereich Elektrotechnik und Medientechnik angetreten, um dem Innenleben eines Computers auf die Schliche zu kommen. Knapp 100 Kinder und Eltern hat Dekan Prof. Dr. Johann Plankl am Nachmittag zur Kinder-Uni begrüßt. Die Voraussetzungen bei den Mini-Studenten zwischen acht und zwölf Jahren scheinen recht unterschiedlich zu sein. Da gibt es Experten wie Roman (11). Ihn bittet Dozent Grzemba, den Lüfter eines Computers auszubauen, der das Laufwerk kühlt, damit das Gedächtnis, die Festplatte, nicht überhitzt wird. Roman hat das schon öfter gemacht. Zuletzt bei seiner Stereoanlage daheim, wie er erzählt. Fast so versiert sind auch Tim und Johannes, die einen Schaltkreis mit Lampe bauen sollen. Damit will der Professor die Entwicklung vom Taster übers Relais bis zum heutigen Prozessor verdeutlichen, mit dem der Computer mehrere Zahlenkombinationen auf einmal verarbeiten kann. Weiß jemand, was ein 32-Bit-Prozessor ist, fragt Grzemba. Die Antwort kommt von ganz hinten wie aus dem Äther: Der verarbeitet 32 Zahlen auf einmal. Bingo! Der kleine Schlaukopf mit dem großen Wissen ist allerdings kaum zu sehen - er versinkt in der Bank. Zuvor hatte der Bub gemeinsam mit Prof. Grzemba dem Auditorium erklärt, dass Bauingenieur Konrad Zuse 1941 den so genannten Z 3-Computer mit fast 3000 Relais gebaut hatte, 1957 dann das nächsthöhere Modell, das mehrere Räume Platz einnahm. Er brauchte eine Rechenhilfe, damit seine Brücken auch halten, erklärt Prof. Grzemba. Und dann fügt er lachend an: Stellt euch mal vor, ihr wünscht euch einen Computer und euer Vater muss die Garage ausräumen, damit ihr ihn überhaupt aufstellen könnt. Moment mal, wie war das mit den Zahlenkombinationen? Dafür müssen Rafael und Hannah ein ausgemustertes Modell vom Recyclinghof zerlegen, um den Prozessor aufzufeilen. Das schaffen die nie, murmelt Alexander. Der zehnjährige Banknachbar von Hannah kennt sich aus. Er sammelt Computer, hat über zehn Stück, baut sie erfolgreich auseinander und zusammen. Sie funktionieren alle, beteuert er. Die Mama daneben nickt. Überrascht stellt Alexander fest, dass es die beiden Laien da vorn mit etwas Hilfe doch gepackt haben. Jetzt sind die diversen Zahlenkombinationen von 0 und 1 dran, mit Hilfe derer alle Infos via CD-Laufwerk auf der Festplatte des Computers gespeichert werden. In der CD befinden sich kleine Löcher für 0 und 1, schallt es irgendwo aus dem Hörsaal. Wieder ein Volltreffer von einer Kinderstimme. Selbst der Professor staunt über das Fachwissen. Yvonne und Simon sind die nächsten, die schrauben dürfen. Ran ans Laufwerk, aber bitte nicht daheim bei den Eltern, warnt Grzemba. Anhand einer Folie zeigt er genau, wie die Informationen magnetisch gesteuert werden können. Ein Magnet, stellt sich heraus, kann für Daten auch tödlich werden. Hannah ist begeistert. Sie hat bis jetzt schon so viel dazugelernt. Und selbst Alexander, der eigentlich schon alles weiß, fand die Vorlesung interessant. Schließlich hat Prof. Grzemba nichts ausgelassen. Doch wie eine Maus funktioniert oder das Bild auf den Monitor kommt, soll ein Geheimnis bleiben - bis zur nächsten Kinder-Uni.
Deggendorfer Zeitung, 15.12.2006
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