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Hochschulpresse: Presseartikel 2006

Im Zauberreich der Symmetrie an der FH


Prof. Plankl erklärt die Symmetrie mit einem Sombrero

Grundschüler statt Studenten im Vorlesungssaal - Auch Präsident Höpfl als "Dozent"

Deggendorf. (tj) Nach einer ersten „Kinderuni“ veranstaltete die FH Deggendorf eine zweite Vorlesung für Kinder. Der Physiker Prof. Dr. rer. nat. Johann Plankl erklärte den Grundschülern (und nicht nur ihnen) den Begriff der Symmetrie. Ein kleines und eigentlich theoretisches Teilgebiet der Mathematik, das aber ganz umfangreiche Konsequenzen hat, erschien plötzlich hochinteressant und zum anfassen deutlich.

Der Taglichtprojektor im Josef-Rädlinger-Hörsaal warf ein eigenartig buntes Gebilde an die große Leinwand. Ständig drehten sich die Figuren und veränderten sich seltsam vertraut. Prof. Dr. rer. nat. Johann Plankl, der ansonsten FH-Studenten in den Fächern Physik, Elektrodynamik und Bauphysik unterrichtet, hatte diesmal einen ganz munteren Haufen von 3.- und 4.-Klässlern als „Studenten“ gegenüber. Und selbst sehr gut gelaunt unterhielt er sich mit den Kindern über dieses Farbenspiel an der Wand und darüber, was das wohl sein könnte. Viele Finger reckten sich in die Höhe, wie die rund 50 Kinder überhaupt die ganze Vorlesung über ganz Auge und Ohr waren. Die Vorschläge reichten von Lupe über Fernrohr bis zum eigentlichen Thema der Symmetrie. Schließlich wusste eine Schülerin die richtige Antwort: „ein Kaleidoskop“, das Professor Plankl auch als ein Gerät beschrieb, das durch Mehrfachspiegelungen diese seltsamen Figuren zaubern konnte.

Diese Zauberei griff der FH-Präsident, Professor Dr. Reinhard Höpfl auch auf, als er beschrieb, dass diese mathematischen wie physikalischen Themen (er selbst ist Physiker) immer wieder zu verzaubern vermögen. Er sprach wie selbstverständlich die Kinder als Studenten an und thematisierte denn auch den Begriff des Studiums als ursächliche Tätigkeit des lebenslangen Lernens.

„Die Symmetrie ist überall“, so Professor Plankl, aber mitunter müsse man sein Auge einfach ein wenig besser schärfen, um diese Prinzipien zu erkennen. Als Anschauungsobjekte hatte er neben einer Taglichtprojektion auch einige sehr bekannte Gegenstände um sein Katheder herum gebaut. Da war ein Ball, ein Globus, ein Sombrero-Hut und ein großer Spiegel. Anhand einer farbig markierten Pyramide erklärte er ein wichtiges Prinzip der Symmetrie, das der wiederkehrenden Gestalt nach einer viertel, halben und ganzen Drehung. An mehreren Bildern zeigte er Symmetrien in der Natur. Ein Ahornblatt zeigt eine so genannte Achsensymmetrie genauso wie ein Schmetterling oder gar ein menschliches Gesicht. Ein Eiskristall gar hat neben der Achsen noch eine Drehsymmetrie. Auch ein Milchtropfen, per Ultrakurzzeitphotografie auf eine Oberfläche getropft, zeigt eine kronenartige Gestalt, die eine Achsensymmetrie in alle Richtungen aufweist. Und ein Ball, Professor Plankl hielt einen Ball in die Höhe, weise durch unendliche Achsspiegelungen ein absolutes Bild von Symmetrie auf.

Mit einer kleinen Anekdote erzählte er die Geschichte eines Esels, der Esel des Philosophen Buridan. Buridan musste für längere Zeit verreisen und setzte für diese Zeit seinem Esel zwei gleich große Heuhaufen als Verpflegung vor. Der Esel, so heist es in der Geschichte, sei verhungert, weil er sich für keinen der Heuhaufen entscheiden konnte.

Zum Thema Philosophie erklärte Professor Plankl, dass die Symmetrie eigentlich ein grundsätzliches Denkkonstrukt sei. Jeder Mensch suche nach Strukturen, und besonders die Philosopen Griechenlands, Parmenides, Heraklit oder Sokrates, hätten sich daran gemacht, die Naturgesetze der Welt durch Denkprinzipien zu erklären. So seien sie allein durch dieses Nachdenken auf den Begriff des Atoms gekommen, lange, bevor seine Struktur tatsächlich durch Versuche nachgewiesen werden konnte. Dass sich aber die angenommene Unteilbarkeit (Atomos heist unteilbar) als Fehlschluss herausstellte, wurde erst noch später erkannt. Als kleinen Seitengedanken entwickelte Professor Plankl die grundsätzliche Entstehung von Wissenschaft, die von den Philosophen über die Forscher und dann die Ingenieure letztendlich zu nutzbringenden Entwicklungen geführt habe. Die Symmetrie hat neben der grundmenschlichen Suche nach Ordnungsprinzipien auch eine ästhetische Komponente. Professor Plankl benannte das Prinzip der Symmetrie mit den Begriffen Schönheit, Vollkommenheit, Ganzheit und Ebenmaß.

In einer anderen Folie zeigte Professor Plankl komisches, das aber eigentlich bekannt erschien: einen halben Schmetterling, eine halbe Eule und ein halbes Herz. Das Menschliche Gehirn würde nämlich diese Figuren ergänzen, und etliche Kinder reagierten mit einem begeistert-überraschten „Aha!“ Viele Fragen und Zwischenbemerkungen der Kinder zeigten ein hohes Maß an Interesse, und wer weiß, vielleicht wird ein Teil von ihnen dereinst auf denselben Bänken als „echter“ Student sitzen.

Donau-Anzeiger, 14. Juli 2006

 

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