Studium im Land der Morgenstille |
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Fast schon ein Jahr lang studiert Stephan Rausch als Austauschstudent der Fachhochschule Deggendorf an der Korea Universität in Seoul. Der 25-jährige Tittmoninger wird dabei von der Stiftung für internationalen Studierendenaustausch des Deggendorfer Apothekers Toni Fink unterstützt. In einer E-Mail an die Leiterin des Akademischen Auslandsamtes an der FH Deggendorf, Dr. Elise von Randow, schildert der angehende Wirtschaftsinformatiker seine Eindrücke aus dem Land der Morgenstille: ?Im letzten halben Jahr habe ich mich eigentlich ganz gut eingelebt. So wohne ich jetzt in einer privaten Studentenpension. Mein Zimmer ist nur ca. 6 m² klein, was bei den Mietpreisen in Seoul für einen Studenten normal ist. Ich mich auch schon daran gewöhnt, dass ich auf ein Bett verzichten muss und wie viele Koreaner auf einer Matte auf dem Boden schlafe. Das ist im Winter sogar sehr angenehm, da alle koreanischen Häuser über eine Fußbodenheizung verfügen. Im Grossen und Ganzen lässt sich's hier recht gut leben, obwohl es zuhause natürlich um Welten schöner ist. Vor allem gehen mir die bayerische Gemütlichkeit und die Natur ab. Fast schon ein Jahr lang studiert Stephan Rausch als Austauschstudent der Was ich aber sicher vermissen werde, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin, ist die Freundlichkeit der Leute und der tolle Service hier. Wo wird man bei uns schon im Supermarkt am Eingang mit einer Verbeugung und einem "Herzlich willkommen im XXX Supermarkt" begrüßt? Auch in den Restaurants ist der Service ungewohnt gut. Wasser oder Tee gibt es gratis, und die Beilagen kann man sich normalerweise kostenlos wieder auffüllen lassen. Auch dass man hier immer irgendwo in der Nähe einen Internetzugang - oft sogar umsonst - zur Verfügung hat, habe ich schätzen gelernt. Ich bin während meines fast einjährigen Aufenthalts in Korea eigentlich nur zweimal angepöbelt worden. Und da auch nur deshalb, weil man mich für einen Amerikaner gehalten hat, die hier den Großteil der Ausländer ausmachen und - milde ausgedrückt - nicht gerade beliebt sind. Dafür genießt Deutschland ein sehr gutes Ansehen. Viele Koreaner lieben klassische Musik, und selbst in kleinen Supermärkten wird als Hintergrundmusik Mozart oder Beethoven gespielt. Sogar in der U-Bahn dient klassische Musik als Umsteigesignal. Viele Koreaner hatten in der Highschool Deutsch als zweite Fremdsprache belegt und können noch ein bisschen deutsch sprechen. Fast jeder Koreaner kann zumindest einen Satz in Deutsch, da es vor ca. 10 Jahren mal einen koreanischen Superhit gegeben hat, in dem "Ich liebe dich." als Refrain vorkam. Auch durch die gemeinsame Geschichte, die Teilung des Landes und vor allem auch durch die deutsche Nachkriegspolitik, die hier hoch angesehen ist, hat man als Deutscher in Südkorea einen guten Stand. Wenn mich jemand fragt, mit welchen Worten ich die Koreaner und deren Lebensstil kurz beschreiben könnte, wäre der Begriff "extrem" in vielerlei Hinsicht zutreffend. Fast schon ein Jahr lang studiert Stephan Rausch als Austauschstudent der Die Koreaner sind extrem eifrig beim Lernen und Studieren. In den vier Monaten, die ein Semester hier dauert, ist man permanent im Stress. Da ein Koreaner normalerweise mindestens 5 Kurse pro Semester belegt, kommt ein Student leicht auf eine 60 bis 70 Stundenwoche. Es ist ganz interessant zu verfolgen, wie die koreanischen Studenten das meistern. Da die Computerräume im "Science Campus" der Uni rund um die Uhr geöffnet sind, haben sich einige sehr fleißige Studenten dort direkt einquartiert. So stehen z.B. in manchen Computerräumen Klappbetten zum Schlafen. Abends und morgens trifft man dann Leute in den Toiletten, die gar nicht erst nach Hause gegangen sind und gerade dabei sind, sich die Zähne zu putzen und sich zu waschen. Was ich u. a. noch als extrem bezeichnen würde, ist das koreanische Essen. Ich habe zwar schon bevor ich hierher kam gewusst, dass es sehr scharf zubereitet wird, aber die Realität übertraf meine Erwartungen bei Weitem. Nach einem halben Jahr war ich bereits so "abgehärtet", dass Tabasco für mich nur noch leicht pikant schmeckt. Ein paar Freunde wollten mir dann etwas Neues zeigen: ein Gericht, das sich "BulDag", auf Deutsch "Feuerhühnchen" nennt. Obwohl wir zu Dritt nur 150g Hühnchenfleisch bestellt hatten und es dazu noch eine Reissuppe gegen die Schärfe gab, konnten wir nur ca. 1/3 des Tellers leeren. Jeder Bissen brannte feurig im Mund. Danach hatte ich zwei Wochen lang Magenschmerzen. Es gibt zwar unzählige chinesische und japanische Restaurants, deren Essen nicht so stark gewürzt ist, aber wenn man in ein koreanisches Restaurant geht, sind ca. 90% der Speisen scharf bis sehr scharf. Südkorea ist ein wunderschönes Land mit einer sehr interessanten und alten Kultur: Ich werde es sehr vermissen.
Eigener Bericht vom 31. August 2005
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