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Hochschulpresse: Pressearchiv 2005

Geteilte Meinungen zu Studiengebühren


Studentin: "Viele werden sich denken: Lasse es besser bleiben" - Höpfl zuversichtlich

Deggendorf. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes wird es immer wahrscheinlicher: Studenten müssen künftig in Bayern Studiengebühren zahlen ­ und zwar bis zu 500 Euro pro Semester. Der Donau-Anzeiger wollte gestern wissen, wie die Führung der Fachhochschule Deggendorf und Studenten zu der Entscheidung stehen.

Eine "positive Einstellung" zu den Studiengebühren hat Professor Dr. Reinhard Höpfl, Präsident der FH Deggendorf. Allerdings spricht er sich für so genannte "nachlaufende Gebühren aus". Das heißt, die Studenten bekommen nötigenfalls Darlehen und zahlen diese erst dann zurück, wenn sie im Beruf stehen und über ein entsprechendes Einkommen verfügen. Auch "Stipendienmodelle" müssten aufgebaut werden. Verständnis habe Höpfl auch insofern für die Gebühren, als die Hochschulen allgemein für die Verbesserung der Lehre mehr Geld benötigten. Dass Studierwillige von einem Studium an einer Uni oder FH abgeschreckt würden, glaubt der Präsident nicht: Es handle sich ja um relativ geringe Beiträge. Bei einer Umfrage im letzten Jahr hätten sich sogar zwei Drittel der befragten Studenten zustimmend geäußert. Das neue System bringe eine Reihe von Vorteilen mit sich. So werde es vielfach ein neues Verhältnis zwischen Student und Hochschule geben. Auch würden sich junge Leute besser überlegen, was sie denn studieren wollten.

"Viele könnten sich es nicht leisten, wenn sie das aus eigener Tasche zahlen müssten", meint dagegen Medientechnik-Studentin Ingrid Ehrenschwender. Einerseits versteht sie es, dass die Hochschulen mehr Geld benötigten. Andererseits ist ihr aber klar, dass sie ihr Studium von heute auf morgen beenden müsste, wenn sie keine staatliche Unterstützung bekäme. Skeptisch ist auch Studentin Christina Kellner: "Gegen 50 Euro hätte ich ja nichts, aber 500 Euro sind dann doch etwas viel." So mancher werde sich nun überlegen, ob er überhaupt studiere. Christina Kellner: "Viele werden sich denken: Das lasse ich besser bleiben." Bildung dürfe kein Luxusartikel werden. "Ein Studium muss für jeden erschwinglich bleiben", meint die junge Medientechnikerin.

Begrüßt wird das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hingegen von der Jungen Union. "Das Urteil eröffnet auch der FH Deggendorf neue Perspektiven für eine bessere Lehre und Betreuung der Studenten", erklärte Kreisvorsitzender Christian Moser. Gleichzeitig betonte er, dass sein Kreisverband das Vorhaben der Bayerischen Staatsregierung zur Einführung von Studienbeiträgen unterstütze, wenn grundlegende Bedingungen eingehalten würden. "Wir fordern, dass die Beiträge der Studentinnen und Studenten in Deggendorf in voller Höhe an der FH Deggendorf bleiben", erklärte Moser. Außerdem müssten die Beiträge voll und ganz für die Verbesserung der Lehre und der Betreuung der Studenten eingesetzt werden und dürften nicht bei der Ausstattung der Hochschule oder gar beim Bau von Hochschuleinrichtung Verwendung finden, forderte der Kreisvorsitzende weiter. Dafür müsse auch in Zukunft der Staat in voller Höhe aufkommen. Moser will in den nächsten Wochen und Monaten unter der Studentenschaft in Deggendorf aktiv für das JU-Konzept werben, "da von gerechten Studienbeiträgen alle profitieren würden".

 

Donau Anzeiger vom 27. Januar 2004

 

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