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Hochschulpresse: Pressearchiv 2004

119. Sitzung der Konferenz der Präsidenten/Rektoren der Bayerischen Fachhochschulen

Prof.  Dr. Höpfl und Prof. Dr. Konhäuser

Präsident Prof. Dr. Reinhard Höpfl ( l. ) im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Konferenz, Prof. Dr. Erich Konhäuser
(Foto: peka)

Ariane Freier, Deggendorf.
Die Zukunft der bayerischen Fachhochschulen ist gestern im Rahmen der 119. Sitzung der Konferenz ihrer Präsidenten und Rektoren diskutiert worden. Dabei wurde auch ein Treffen mit Ministerpräsident Edmund Stoiber am Donnerstag in München vorbereitet. Stoiber soll ein Aufbruchsignal geben. Praxisorientierte Studenten werden gebraucht. Doch die Hochschulen sind überlastet. 64 000 Studierende kommen auf die 37 000 Flächen bezogenen Studienplätze. Von denen ein Teil noch gar nicht realisiert, ein weiterer Teil sanierungsbedürftig ist. Der Staat ist gefragt mit seinem Beitrag zu Ausstattung, Räumlichkeiten und Ausbauzielen. "Ohne politische Unterstützung geht gar nichts", sagt Prof. Dr.-Ing. Erich Konhäuser, Vorsitzender der Konferenz der Präsidenten und Rektoren der bayerischen Fachhochschulen.
Doch statt dessen wird gespart - in der Lehre, bei den Sachmitteln. Die Deggendorfer FH musste z.B. zwei Professoren-Stellen hergeben, hat aber glücklicherweise aus weiteren Programmen zwei andere bekommen. Haken: Befristung auf drei Jahre. Die Sachmittel sind mit 25 Prozent betroffen, eine fatale Folge für alle FH-Bibliotheken. Auch hier hatte die junge FH Deggendorf Glück. Sie darf noch auf Erstausstattungsmittel zurückgreifen.

Trotzdem ist die Stimmung bei den Vertretern der 17 staatlichen und zwei kirchlichen Fachhochschulen (FH) sowie der Universität der Bundeswehr nach den Sparplänen der Bundesregierung gedrückt. Sechs Stunden hat das Gremium gestern im OB-Dieter-Görlitz-Hörsaal diskutiert. Dabei wurden Argumente für die Leistungsfähigkeit der FH gebündelt, mit denen Ministerpräsident Edmund Stoiber am Donnerstag bombardiert werden soll. "Praxisorientierung ist ein Segment, das die Unis nicht abdecken können", betont FH-Präsident Prof. Reinhard Höpfl.

Und Konhäuser leitet daraus folgende Ziele ab, um die FH zu stärken:

  • Verbesserung der Strukturen in der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung etwa durch Kooperationen mit der Wirtschaft oder eine Etatisierung
  • Weiterentwicklung der internen Strukturen
  • Internationalisierung, die in Deggendorf vorbildlich sei, sowie
  • die Schaffung eines europäischen Hochschulraums auf der Grundlage der Bologna-Erklärung von Bildungsministern von 40 europäischen Staaten.

Kernpunkt dieses Hochschul-Reformprozesses ist die Einführung der international gebräuchlichen Studienabschlüsse Bachelor und Master. Diese verläuft in Deutschland noch recht bürokratisch, weil die Kultusminister-Vorgaben in den Details eine zu hohe Regelungsdichte aufweisen.
Konhäuser fordert gestufte, europäisch und weltweit vergleichbare Studienabschlüsse, die Nutzung von Synergien und die notwendige Flexibilität, z.B. durch die Einführung eines Leistungspunktesystems und dessen Niederlegung in Diplom Assemblements. Damit kann auch Qualität definiert und einer Niveauabsenkung entgegengewirkt werden.
Durch eine Entschlackung des Hochschulrahmengesetzes könnte zudem die Autonomie der Hochschulen gestärkt werden. Bisher führen Strukturdefizite und unklare Kompetenzen zu Verzögerungen, da vorhandene Gelder von den Hochschulen nicht abgerufen werden können. "Wir brauchen aber Planungssicherheit - wenigstens bis 2008", so Konhäuser und Höpfl.
Das wiederum setze einen Stopp für weitere Stellenkürzungen voraus, sichere Mittelzusagen und eine klare Aussage über die Einführung von Studiengebühren als dritte Säule neben Staatszuschüssen und Drittmitteln. Vorstellbar seien 500 Euro pro Semester bei sozialverträglicher Gestaltung und Kreditfinanzierung. Konhäuser: "Wir erwarten von Stoiber ein Aufbruchsignal."
Andernfalls bleibe angesichts steigender Studierendenzahlen - 2010 sollen es 100 000 sein - nur die Möglichkeit, Angebot und Nachfrage durch einen härteren Numerus Clausus zu regulieren. Dann könnten langfristig Bewerbereinbrüche wie bei Ingenieuren in den 90er Jahren oder Überkapazitäten wie in Wirtschaftsfächern vermieden werden. Die FH wollen die Besten ausbilden, v.a. Frauen. "Denn", so Konhäuser, "konkurrenzfähig bleiben wir nur durch Leistung und Innovation."

 

Deggendorfer Zeitung vom 11.05.04

 

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