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Präsident
Prof. Dr. Reinhard Höpfl ( l. ) im Gespräch mit dem Vorsitzenden
der Konferenz, Prof. Dr. Erich Konhäuser
(Foto: peka) |
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Ariane Freier, Deggendorf.
Die Zukunft der bayerischen Fachhochschulen ist gestern im Rahmen der
119. Sitzung der Konferenz ihrer Präsidenten und Rektoren diskutiert
worden. Dabei wurde auch ein Treffen mit Ministerpräsident Edmund
Stoiber am Donnerstag in München vorbereitet. Stoiber soll ein Aufbruchsignal
geben. Praxisorientierte Studenten werden gebraucht. Doch die Hochschulen
sind überlastet. 64 000 Studierende kommen auf die 37 000 Flächen
bezogenen Studienplätze. Von denen ein Teil noch gar nicht realisiert,
ein weiterer Teil sanierungsbedürftig ist. Der Staat ist gefragt
mit seinem Beitrag zu Ausstattung, Räumlichkeiten und Ausbauzielen.
"Ohne politische Unterstützung geht gar nichts", sagt Prof.
Dr.-Ing. Erich Konhäuser, Vorsitzender der Konferenz der Präsidenten
und Rektoren der bayerischen Fachhochschulen.
Doch statt dessen wird gespart - in der Lehre, bei den Sachmitteln. Die
Deggendorfer FH musste z.B. zwei Professoren-Stellen hergeben, hat aber
glücklicherweise aus weiteren Programmen zwei andere bekommen. Haken:
Befristung auf drei Jahre. Die Sachmittel sind mit 25 Prozent betroffen,
eine fatale Folge für alle FH-Bibliotheken. Auch hier hatte die junge
FH Deggendorf Glück. Sie darf noch auf Erstausstattungsmittel zurückgreifen.
Trotzdem ist die Stimmung
bei den Vertretern der 17 staatlichen und zwei kirchlichen Fachhochschulen
(FH) sowie der Universität der Bundeswehr nach den Sparplänen
der Bundesregierung gedrückt. Sechs Stunden hat das Gremium gestern
im OB-Dieter-Görlitz-Hörsaal diskutiert. Dabei wurden Argumente
für die Leistungsfähigkeit der FH gebündelt, mit denen
Ministerpräsident Edmund Stoiber am Donnerstag bombardiert werden
soll. "Praxisorientierung ist ein Segment, das die Unis nicht abdecken
können", betont FH-Präsident Prof. Reinhard Höpfl.
Und Konhäuser leitet daraus
folgende Ziele ab, um die FH zu stärken:
- Verbesserung der Strukturen in der anwendungsorientierten Forschung
und Entwicklung etwa durch Kooperationen mit der Wirtschaft oder eine
Etatisierung
- Weiterentwicklung der internen Strukturen
- Internationalisierung, die in Deggendorf vorbildlich sei, sowie
- die Schaffung eines europäischen Hochschulraums auf der Grundlage
der Bologna-Erklärung von Bildungsministern von 40 europäischen
Staaten.
Kernpunkt dieses Hochschul-Reformprozesses
ist die Einführung der international gebräuchlichen Studienabschlüsse
Bachelor und Master. Diese verläuft in Deutschland noch recht bürokratisch,
weil die Kultusminister-Vorgaben in den Details eine zu hohe Regelungsdichte
aufweisen.
Konhäuser fordert gestufte, europäisch und weltweit vergleichbare
Studienabschlüsse, die Nutzung von Synergien und die notwendige Flexibilität,
z.B. durch die Einführung eines Leistungspunktesystems und dessen
Niederlegung in Diplom Assemblements. Damit kann auch Qualität definiert
und einer Niveauabsenkung entgegengewirkt werden.
Durch eine Entschlackung des Hochschulrahmengesetzes könnte zudem
die Autonomie der Hochschulen gestärkt werden. Bisher führen
Strukturdefizite und unklare Kompetenzen zu Verzögerungen, da vorhandene
Gelder von den Hochschulen nicht abgerufen werden können. "Wir
brauchen aber Planungssicherheit - wenigstens bis 2008", so Konhäuser
und Höpfl.
Das wiederum setze einen Stopp für weitere Stellenkürzungen
voraus, sichere Mittelzusagen und eine klare Aussage über die Einführung
von Studiengebühren als dritte Säule neben Staatszuschüssen
und Drittmitteln. Vorstellbar seien 500 Euro pro Semester bei sozialverträglicher
Gestaltung und Kreditfinanzierung. Konhäuser: "Wir erwarten
von Stoiber ein Aufbruchsignal."
Andernfalls bleibe angesichts steigender Studierendenzahlen - 2010 sollen
es 100 000 sein - nur die Möglichkeit, Angebot und Nachfrage durch
einen härteren Numerus Clausus zu regulieren. Dann könnten langfristig
Bewerbereinbrüche wie bei Ingenieuren in den 90er Jahren oder Überkapazitäten
wie in Wirtschaftsfächern vermieden werden. Die FH wollen die Besten
ausbilden, v.a. Frauen. "Denn", so Konhäuser, "konkurrenzfähig
bleiben wir nur durch Leistung und Innovation."
Deggendorfer Zeitung vom 11.05.04
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