Boom an Fachhochschule Deggendorf hält an |
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Trotz staatlicher Kürzungstendenzen keine Angst vor der Zukunft - Präsident Höpfl hofft auf AusbauVon unserem Redakteur Peter Kallus Die Fachhochschule Deggendorf boomt wie nie zuvor: So können für das kommende Wintersemester die meisten Studienbewerber seit dem Bestehen verzeichnet werden. Insgesamt 2904 junge Menschen wollen ihr Studium an der jungen Fachhochschule beginnen - das entspricht einer Steigerung von rund fünf Prozent. Es handelt sich damit um die höchste Bewerberquote seit Bestehen, und das, obwohl in den Studiengängen Bauingenieurwesen, Elektro- und Informationstechnik, Mechatronik sowie Wirtschaftsinformatik (Bachelor) eine Bewerbung noch bis Ende Juli möglich ist. Mit großer Freude erfüllt dies nicht zuletzt FH-Präsident Professor Dr. Reinhard Höpfl, der keinen Weg scheut, um seine Fachhochschule auch weit über die Grenzen Niederbayerns hinaus bekannt zu machen. Besonders stolz ist Höpfl, dass der Aufwärtstrend der FH auch nicht durch Fächer-Streichlisten wie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München gebremst wird. Dort fallen insgesamt zwanzig Studiengänge weg - alles Fächer, die zu klein sind, um international an der Spitze mitzuhalten. Unter anderem sind Fächer wie Orthodoxe Theologie oder Lateinische Philologie des Mittelalters betroffen. Diesen Schritt versteht der Deggendorfer FH-Präsident voll und ganz, schließlich ist er der Ansicht: Die Unis müssen ihr Profil schärfen, um weiter mithalten zu können. So steht Höpfl auch voll hinter dem Optimierungskonzept der bayerischen Staatsregierung, durch das die bayerischen Unis und Fachhochschulen noch leistungsfähiger werden sollen. Die Vorbereitungen zu konkreten Maßnahmen - wie zum Beispiel der Zusammenlegung von Studiengängen - laufen bereits auf Hochtouren. Derzeit werden bayernweit alle Hochschul-Daten gesammelt. Man will sehen, welcher Studiengang ausgelastet ist und welcher nicht, unterstreicht Reinhard Höpfl. Alles, was nicht genügend nachgefragt werde, müsse wohl oder übel auf den Prüfstand. Analyse im Kabinett Die damit Beauftragten haben in diesen Julitagen alle Hände voll zu tun, "schließlich will Wissenschaftsminister Thomas Goppel bis zum 15. August alle Daten auf dem Tisch haben". Dann will Goppel die Daten bei der Kabinettssitzung im Kloster Banz Ministerpräsident Edmund Stoiber vorlegen. Einer ersten Analyse im Kabinett soll sich dann eine Evaluierungsphase anschließen, die aller Voraussicht nach bis zum Jahr 2006 dauern wird. Beauftragt wird damit eine 16-köpfige Expertenkommission, die alle Unis und Fachhochschulen vor Ort unter die Lupe nimmt. In welchen Fächern gibt es denn nun ein Überangebot an Studiengängen? Hierzu zählt derzeit durchaus Architektur und Bauingenieurwesen, weiß der Präsident. Hier gebe es derzeit zu viele Studiengänge, aber zu wenig Studenten. Dabei sieht Höpfl gerade in diesen Bereichen große Chancen. Der FH-Chef ist überzeugt: Unser Land braucht trotz der Konjunkturflaute neue Bauingenieure. Auch mit Blick auf die gerade vollzogene Osterweiterung der Europäischen Union wachse gerade der Bedarf an Bauingenieuren ständig. Denn in den neuen Ländern werde sich in den nächsten Jahren und sogar Jahrzehnten einiges auf dem Bausektor tun. Nein, Angst vor der Zukunft hat FH-Präsident Reinhard Höpfl wahrlich nicht. Auch der Prüfung durch die Bewertungskommission (wann sie kommt, wissen wir nicht) blickt er ruhig entgegen, schließlich braucht sich die Deggendorfer Fachhochschule nicht zu verstecken. Nicht umsonst hat der Campus an der Donau im letzten Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im bundesweiten Vergleich einen Spitzenplatz für praxisnahe Ausbildung in vier Studiengängen belegt: Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik und Betriebswirtschaft. Alle Studiengänge werden im Zuge der Schaffung eines europäischen Hochschulraumes systematisch modularisiert und zu Bachelor- oder Masterstudiengängen ausgebaut. Trotz über 2500 Studierender ist es den rund 70 Professoren und 100 Mitarbeitern gelungen, ein persönliches und intensives Betreuungsverhältnis aufzubauen. Die Dauerrenner Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik (Diplom) werden in diesem Jahr zwar nicht so stark nachgefragt wie in den vergangenen Jahren. Dafür scheinen die technischen Studiengänge wie zum Beispiel Bauingenieurwesen, Elektro- und Informationstechnik sowie Maschinenbau eine kleine Renaissance zu erleben. Kräftig zugelegt hat auch der Studiengang International Management. Der zum kommenden Wintersemester neu eingeführte Studiengang Mechatronik wird ebenfalls sehr gut angenommen. Wahrscheinlich, weil von den technisch interessierten Studienbewerbern erkannt wird, dass immer mehr Produkte eine Synthese aus mechanischen, elektronischen und informationstechnischen Komponenten darstellen, vermutet FH-Pressesprecher Peter Kaiser. Der Mechatronik-Ingenieur weist die Schnittstellenkompetenz auf, die notwendig ist, um solche Produkte effizient zu entwickeln und wirtschaftlich zu produzieren. Insgesamt studieren derzeit rund 2500 junge Leute an der University of Applied Sciences - Fachhochschule Deggendorf. Darunter sind auch 140 ausländische Studierende aus über 40 verschiedenen Nationen. Viele Chancen ergeben sich auch aus gemeinsamen Projekten mit der Wirtschaft. So besteht mit sehr vielen ostbayerischen Firmen eine intensive Zusammenarbeit. Im Rahmen des Arbeitskreises Medien (AKM) im Studiengang Medientechnik haben Studierende die Möglichkeit, in die örtliche Medienwelt hineinzuschnuppern und beispielsweise bei der Tageszeitung Donau-Anzeiger Kurzpraktika zu absolvieren. Eigentlich könnte sich Professor Höpfl, Chef der jungen Hochschule, die schon durch ihre Aufsehen erregende Architektur in klassisch griechischem Stil besticht, jetzt zufrieden zurücklehnen. Doch Höpfl ist kein Mann des Stillstands: Er hat noch große Pläne mit der Fachhochschule. So will er angesichts der ständig steigenden Bewerberzahlen konsequent auf einen Ausbau des Komplexes hinwirken. Prinzipiell sind die Weichen für eine Erweiterung bereits gestellt: So hat der Freistaat das angrenzende Gelände bereits gekauft, auf dem zurzeit noch der Straßenbauhof des Bundes steht. Doch für 2005 hat der Bund bereits den Neubau freigegeben, sodass die Bauhof-Bediensteten bereits 2006 in das neue Gebäude umziehen könnten. Dann wäre das Gebäude frei - und wir könnten eventuell schon bald einzelne Räume nutzen. Höpfl weiß, dass dann der Weg zu einem Abriss des alten Gebäudes und einem nagelneuen FH-Anbau noch weit ist. Dennoch ist er zuversichtlich, dass auch die Politik die Notwendigkeit einer Erweiterung erkennt und in wenigen Jahren alle Hindernisse beseitigt sind. Der Präsident: Wir sind auf einem guten Weg. Er ist auch davon überzeugt: Die Zukunftsaussichten der Studenten, die sich im Campus-Café, wenige Meter von seinem Büro entfernt, fröhlich unterhalten, sind nicht so schlecht, wie sie vielfach gemacht werden. Der Präsident: Das Studieren hier ist nicht Selbstzweck - wer sich anstrengt, den erwartet eine goldene Zukunft in der aufstrebenden Region Ostbayern.
Donau Anzeiger vom 10. Juli 2004
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