|
 |
14 Bäume aus 14 Ländern für die Gaststudenten gepflanzt Stadt und FH
teilen Kosten
Deggendorf. (flo)
Die Deggendorfer Fachhochschule hat sich mittlerweile weit über die Grenzen
des Landkreises und Bayerns hinaus einen guten Namen gemacht. Das hat zur
Folge, dass auch viele ausländische Studenten in der Stadt zu Gast sind.
Auf Anregung einer Studentin aus Moldawien war die Idee gereift, Bäume aus
den jeweiligen Heimatländern der ausländischen Studenten in Deggendorf zu
pflanzen, um eine bleibende Erinnerung und ein Stück Heimat für die Studenten
in Deggendorf zu schaffen.
Oberbürgermeisterin Anna Eder war gemeinsam mit Baudirektorin Sabine Ruhstorfer
und Stadtgärtner Robert Schmid in den Stadtpark gekommen, dort trafen kurze
Zeit später auch Ingrid Buchmüller als direkte Nachbarin die Buchmüllers
sind Eigentümer der alten Kaserne und FH-Präsident Professor Dr. Reinhard
Höpfl sowie Auslandsbeauftragte Professor Dr. Ilse von Randow ein. Eine
Abordnung der Studenten wohnte der Pflanzaktion ebenfalls bei. Im idyllischen
Stadtpark sollen sich bis zum Jahresende 14 Bäume mehr im Wind wiegen. Ein
Teil davon wurde bereits gestern gepflanzt. Ein Spitzahorn mit dem royalen
Namen "Queen Elisabeth", eine Zeder als rumänischer Nationalbaum, sogar
eine japanische Blütenzierkirsche steht bereits. Dabei handelt es sich übrigens
um eine ganz besondere Zierkirschen-Art, unter der in Japan alljährlich
die berühmten Kirschblütenfeste stattfinden. Vielleicht wird es ja auch
bald im Deggendorfer Stadtpark so ein Fest geben? Unumstrittener "Star"
des Nachmittags war allerdings ein Baum mit dem hochtrabenden Namen "Sequoiadendrong
giganteum" zu deutsch Mammutbaum. Dieser Baum kann bis zu 80 Meter hoch
werden, er stammt eigentlich aus Nordamerikas Westen. In Deggendorf "gilt"
er für alle Gaststudenten aus Amerika. Einen Sonderstatus nimmt er alleine
schon dadurch ein, dass er von Oberbürgermeisterin Anna Eder, gemeinsam
mit Präsident Höpfl und der Auslandsbeauftragten von Randow eigenhändig
und unterstützt von den Studenten eingepflanzt wurde.
Anna Eder betonte vorab, dass sie von der Idee von vornherein angetan gewesen
wäre. Genau wie diese Bäume im Stadtpark verwurzelt seien, sollen auch die
Studenten in Deggendorf Wurzeln schlagen und zur Blüte geführt werden. "Wir
wollen mit dieser Aktion auch anderen Universitäts- und Fachhochschulstädten
ein Beispiel geben", so Eder. Schön fand es die Oberbürgermeisterin überdies,
dass sich die Fachhochschule die Kosten für die Aktion mit der Stadt teilt.
Begeistert zeigten sich auch Höpfl und von Randow von der Aktion. Der FH-Präsident:
"Wir freuen uns, dass wir so gut in der Stadt integriert sind."
Herausforderung für Gärtner
Erfreut war auch ein anderer.
Für Stadtgärtner Robert Schmid ist der Mammutbaum eine große Herausforderung.
"Das ist ungefähr so, als müsste ein Fliesenleger drei Turnhallenböden
hintereinander kacheln und dürfte dann ein Marmorbad gestalten", brachte
Schmid einen bildhaften Vergleich. Der Mammutbaum könne prinzipiell in
Deutschland genauso groß werden wie in Amerika. "Dafür braucht er aber
während der ersten Jahre besondere Pflege", weiß Schmid. "Besonders der
Kahlfrost kann ihm nämlich zu schaffen machen." Geht im Winter die Temperatur
an den Gefrierpunkt, ohne dass Schnee liegt, dann ist künftig die Stadtgärtnerei
zum Handeln aufgerufen. "Wir müssen den Boden rund um unseren Mammutbaum
im Winter immer mit Schnee bedecken", erklärte der Fachmann, "nach einiger
Zeit hat er sich dann an die hiesigen Klimaverhältnisse gewöhnt." Der
Mammutbaum ist der erste seiner Art auf einer öffentlichen Fläche im Landkreis.
Für die Pflanzaktion wurden übrigens nur solche Baumarten und -sorten
ausgewählt, die unter hiesigen klimatischen Bedingungen wachsen können.
Die Gaststudenten aus tropischen oder subtropischen Ländern müssen also
Mal ein Auge zudrücken, wenn aus ihrem Land kein Baum gesetzt werden kann.
"Dafür hat die Stadt aber bei den Sommerblumen jede Menge an Pflanzen
im Sortiment, die auch in diesen Ländern beheimatet sind", beruhigte die
Oberbürgermeisterin. Vor allem die Rankgewächse an den Deggendorfer Laternenmasten
kämen fast ausschließlich aus diesen Ländern. Den Deggendorfer wird sich
schon bald im Stadtpark eine pflanzliche Vielfalt präsentieren, die in
dieser Form nicht überall anzutreffen sein dürfte. Sehr viele Deggendorfer
Gaststudenten können dann in ihrer Freizeit zu ihrem Heimatbaum pilgern.
"Wir verstehen das als Deggendorfer Willkommensgruß und Zeichen der Verbundenheit
zu den Studenten", so die Oberbürgermeisterin. "Es soll ja auch den einen
oder anderen Fall von Heimweh geben, vielleicht können die Bäume ja auch
hier helfen." Die Pflege und Betreuung der Anlage wird durch die Stadtgärtnerei
im Rahmen der allgemeinen Unterhaltung im Stadtpark übernommen. Die Beschaffungskosten
für alle Bäume liegen mit 2614 Euro durchaus in einem vertretbaren Rahmen
für 14 Bäume. Für 2005 ist eine Erweiterung des ausländischen Baumbestandes
um weitere zehn bis 15 Bäume vorgesehen, für deren Beschaffung wiederum
die Stadt und die Fachhochschule Deggendorf je zur Hälfte die anfallenden
Kosten übernehmen werden. Ein kleines "Zuckerl" hatte zum Abschluss noch
Baudirektorin Sabine Ruhstorfer: "Wenn alle Bäume stehen, werden wir sie
noch mit Tafeln versehen, die über Namen und Herkunftsland Aufschluss
geben."
Donau Anzeiger vom 8. Oktober
2004
zurück zur Übersicht |