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Hochschulpresse: Presseartikel 2003

30 000 Bücher in den Hallen des Wissens

 Bibliothek der FH Deggendorf

Regelmäßig 2 900 Benutzer - Nur über säumige Ausleiher ärgert man sich gelegentlich
Studenten der Fachhochschule berichten über ihre Stadt

Deggendorf. Kurz vor 19 Uhr: Dünne Nebelschwaden hüllen den "Monolithen", der vor Eingangshalle des Büchertempels thront, in einen Schleier des Vergessens ein. Ein gespenstisches Bild bietet sich den Augen des stillen Betrachters, als eine Heerschar kaum erkennbarer Gestalten Richtung Eingangsportal schleicht.

Nein, keine sagenumwobenen Märchengestalten wie Trolle oder ähnliche Unholde treiben des Nachts ihr Unwesen auf dem FH-Gelände. Es handelt sich hier lediglich um das "Lieblingsklientel" der Bibliothekare: Studenten, die ihre Bücher wieder einmal "auf den letzten Drücker" abgeben.

Mit einem freundlichen Lächeln und familiärer Höflichkeit werden diese "Langschläfer" von Margarete Brumm empfangen. Sie ist die Leiterin der Bibliothek. "Wenn ich mich auf einen meiner drei Verwaltungsbereiche - Einkauf, Katalogisierung oder persönliche Betreuung der Benutzer - entscheiden müsste, würde ich unter Garantie das Letztere wählen", erzählt sie. Das Arbeiten mit Menschen macht ihr persönlich am meisten Freude.

Ab und zu gibt es aber auch unerfreuliche Aufgaben: Da gehen Bücher verloren. Leihfristen werden überzogen. Jedoch schätzt die Hüterin der mit Büchern gesäumten Hallen Erkenntnisse, die sie aus jeder einzelnen Unterhaltung bekommt. Nachdem der Ansturm auf die Theke vor über ist, atmet die Bibliothekarin erst einmal tief durch.

Der Blick erhebt sich langsam vom flimmernden Computerbildschirm und schweift an den Regalen entlang. Ein Blick, der zu sagen vermag, wie wohl die Ruhe tut, die man jetzt schier greifen kann. Eine Ruhe, in der selbst ein Räuspern zu einem Orkan werden kann. Margarete Brumm und ihr Team betreuen nicht nur Studenten, sondern auch Berufstätige und Weiterbildende. Sehr stolz erzählt sie: "Der Standort des Büchereigebäudes wurde vom Architektenbüro Schneider & Sendelbacher bewusst ausgesucht. Mit der Ausrichtung zur Stadt und der Nähe zur Hauptstraße soll der Öffentlichkeit ein Zeichen des Willkommens gesetzt werden." Somit finden sich in den Licht durchfluteten Räumen der Bibliothek, die das architektonische Juwel des gesamten FH-Komplexes darstellt, über 2 900 regelmäßige Benutzer ein.

Jedoch ist nicht nur der Baustil einzigartig, sondern auch das fünfköpfige Team vollbringt Großartiges. Angefangen bei der Verwaltung von rund 30 000 Büchern bis hin zu den Neuanschaffungen von jährlich 5 000 Exemplaren haben die Mitarbeiter trotz alledem noch genügend Zeit und vor allem Geduld, auf einzelne Benutzerwünsche einzugehen.

Trotz der Warmherzigkeit, die in diesem Büchertempel herrscht, muss auch eine gewisse Disziplin gewahrt werden. Es werden, besonders in Prüfungszeiten, diejenigen abgemahnt, die es nicht partout schaffen, ihre Bücher termingerecht zurückzugeben. Das soll ein gewisses Maß an Gleichberechtigung schaffen. Der Tag neigt sich dem Ende. Alle Arbeit ist getan, und der letzte zufriedene Besucher verlässt den Büchertempel. Hinter ihm schließen sich für diesen Abend die Pforten, und das Licht erlischt langsam. Sanfte Nebelschwaden ziehen von der Donau herüber. Und hüllt die Hallen des Wissens in Dunkelheit.

 

Plattlinger Anzeiger vom 04. Januar 2003

 

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