Regelmäßig 2 900
Benutzer - Nur über säumige Ausleiher ärgert man sich gelegentlich
Studenten
der Fachhochschule berichten über ihre Stadt
Deggendorf. Kurz vor 19 Uhr:
Dünne Nebelschwaden hüllen den "Monolithen", der vor
Eingangshalle des Büchertempels thront, in einen Schleier des Vergessens
ein. Ein gespenstisches Bild bietet sich den Augen des stillen Betrachters,
als eine Heerschar kaum erkennbarer Gestalten Richtung Eingangsportal
schleicht.
Nein, keine sagenumwobenen
Märchengestalten wie Trolle oder ähnliche Unholde treiben des
Nachts ihr Unwesen auf dem FH-Gelände. Es handelt sich hier lediglich
um das "Lieblingsklientel" der Bibliothekare: Studenten, die
ihre Bücher wieder einmal "auf den letzten Drücker"
abgeben.
Mit einem freundlichen Lächeln
und familiärer Höflichkeit werden diese "Langschläfer"
von Margarete Brumm empfangen. Sie ist die Leiterin der Bibliothek. "Wenn
ich mich auf einen meiner drei Verwaltungsbereiche - Einkauf, Katalogisierung
oder persönliche Betreuung der Benutzer - entscheiden müsste,
würde ich unter Garantie das Letztere wählen", erzählt
sie. Das Arbeiten mit Menschen macht ihr persönlich am meisten Freude.
Ab und zu gibt es aber auch
unerfreuliche Aufgaben: Da gehen Bücher verloren. Leihfristen werden
überzogen. Jedoch schätzt die Hüterin der mit Büchern
gesäumten Hallen Erkenntnisse, die sie aus jeder einzelnen Unterhaltung
bekommt. Nachdem der Ansturm auf die Theke vor über ist, atmet die
Bibliothekarin erst einmal tief durch.
Der Blick erhebt sich langsam
vom flimmernden Computerbildschirm und schweift an den Regalen entlang.
Ein Blick, der zu sagen vermag, wie wohl die Ruhe tut, die man jetzt schier
greifen kann. Eine Ruhe, in der selbst ein Räuspern zu einem Orkan
werden kann. Margarete Brumm und ihr Team betreuen nicht nur Studenten,
sondern auch Berufstätige und Weiterbildende. Sehr stolz erzählt
sie: "Der Standort des Büchereigebäudes wurde vom Architektenbüro
Schneider & Sendelbacher bewusst ausgesucht. Mit der Ausrichtung zur
Stadt und der Nähe zur Hauptstraße soll der Öffentlichkeit
ein Zeichen des Willkommens gesetzt werden." Somit finden sich in
den Licht durchfluteten Räumen der Bibliothek, die das architektonische
Juwel des gesamten FH-Komplexes darstellt, über 2 900 regelmäßige
Benutzer ein.
Jedoch ist nicht nur der Baustil
einzigartig, sondern auch das fünfköpfige Team vollbringt Großartiges.
Angefangen bei der Verwaltung von rund 30 000 Büchern bis hin zu
den Neuanschaffungen von jährlich 5 000 Exemplaren haben die Mitarbeiter
trotz alledem noch genügend Zeit und vor allem Geduld, auf einzelne
Benutzerwünsche einzugehen.
Trotz der Warmherzigkeit, die
in diesem Büchertempel herrscht, muss auch eine gewisse Disziplin
gewahrt werden. Es werden, besonders in Prüfungszeiten, diejenigen
abgemahnt, die es nicht partout schaffen, ihre Bücher termingerecht
zurückzugeben. Das soll ein gewisses Maß an Gleichberechtigung
schaffen. Der Tag neigt sich dem Ende. Alle Arbeit ist getan, und der
letzte zufriedene Besucher verlässt den Büchertempel. Hinter
ihm schließen sich für diesen Abend die Pforten, und das Licht
erlischt langsam. Sanfte Nebelschwaden ziehen von der Donau herüber.
Und hüllt die Hallen des Wissens in Dunkelheit.
Plattlinger Anzeiger vom 04.
Januar 2003
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