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Hochschulpresse: Pressearchiv 2002

"Leistungsorientierung wieder herstellen"

Die Studierenden und Ingenieure mit herausragenden Leistungen

Traditionelle Jahresfeier an der Fachhochschule mit Verleihung von Preisen

Deggendorf. (hk) Zur schon traditionellen akademischen Jahresfeier konnte der Präsident der Fachhochschule, Professor Dr. Reinhard Höpfl, eine voll besetzte Stadthalle begrüßen. Neben vielen Vertretern aus Wirtschaft, Kultur und Verwaltung waren als Ehrengäste auch Oberbürgermeisterin Anna Eder, Altlandrat Dr. Georg Karl, Altoberbürgermeister Dieter Görlitz, Landrat Christian Bernreiter, MdB Barthl Kalb, Arbeitsamtsdirektorin Barbara Breese und Landgerichtspräsident Karl-Heinz Dietzel anwesend.

In seiner Begrüßungsrede sagte der FH-Präsident unter anderem: "Ihrer aller Gegenwart, der Gäste aus nah und fern, der Ehemaligen ebenso wie unserer Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung, verstehen wir als Zeichen der Sympathie für eine Hochschule, die nun nach acht Jahren mit 2 000 Studierenden und dem ihr zugewiesenen Personal ihr staatlich vorgegebenes Ausbauziel erreicht hat und die nun im Aufbruch nach Weiterentwicklung und Zukunft ist. Das Zeug dazu, auf hohem Niveau durchzustarten, haben wir." Weiter zeichnete Professor Höpfl in neun so genannten "Bildern" nicht nur die Struktur der FH nach, sondern beleuchtete auch das Umfeld mit der Wirkung nach außen.

Dabei sagte er zusammengefasst mehrere Bilder tangierend, dass über 100 Studenten von den europäischen Partnerschulen in Deggendorf studieren, während umgekehrt gleich viele Deggendorfer Studenten an diesen so genannten Erasmus-Partnerhochschulen von Lettland bis Portugal ebenfalls ein oder mehrere Semester absolvieren. Das sei ganz im Sinne des Erasmus von Rotterdam, der vor über 500 Jahren auch in Prag, Köln und Bologna studiert habe, meinte Professor Höpfl. Dass dies alles so möglich ist, dafür dankte er ausdrücklich den Förderern der FH und da ganz besonders den Stiftungen wie der für internationalen Studentenaustausch von Anton Fink und der Stiftung des studentischen Austauschprogramms des Gräflichen Brauhauses Moos in Person von Dr. Ihring. Einen weiteren Dank richtete der FH-Präsident an die Koordinatorin des Erasmus-Programms, Dr. Elise von Randow. Dieses europäische Studentenmobilitätsprogramm mit dem Namen des Rotterdamer Humanisten feiert in diesen Tagen seinen millionsten Teilnehmer.

Professor Höpfl zog nicht nur eine positive Bilanz der letzten acht Jahre, sondern beleuchtete auch die praktischen Auswirkungen der FH auf die produzierende Wirtschaft. Dazu führte er aus, dass sich die Fachhochschule Deggendorf von Beginn an zum Ziel gesetzt habe, eine Kultur der unternehmerischen Selbstständigkeit in Lehre und Forschung dauerhaft zu etablieren und Ausgründungen aus der Hochschule zu ermöglichen. Lobend erwähnte er dabei den niederbayerischen Unternehmer Hans Lindner, der sich entschlossen hatte, die Aktionen der FH Deggendorf durch die Schaffung der Hans-Lindner-Stiftung zu fördern, was mittlerweile zur Folge hat, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung diese ganzen Aktivitäten mit etwa einer Million Euro unterstützt. An den Bundestagsabgeordneten Barthl Kalb gerichtet sagte Professor Höpfl: "Dazu haben Sie als Mitglied des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages mit beigetragen".
Besonders stolz verkündete Höpfl, dass von 62 Professoren zehn an innovativen Unternehmensgründungen maßgeblich beteiligt waren und dadurch 70 neue Arbeitsplätze entstanden seien. Herausragendes Beispiel dafür sei Professor Hans Joachim Helml, der eine Gesellschaft für Fertigungsprozessplanung gegründet habe, die mittlerweile über 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Vizepräsident Professor Rudolf Metzka stellte dann Festredner Professor Manfred Timmermann vor, der Verwaltungsratsmitglied der Arbonia-Forster-Kermi-Gruppe ist. Der Titel seines Vortrages war: "Unternehmensführung im globalen Strukturwandel". Der Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmensberater und Hochschullehrer an der Universität St. Gallen hielt nicht nur der deutschen Wirtschaft den Spiegel der Versäumnisse vor, sondern auch der Politik und den Verwaltungen, die nicht in der Lage seien, wie andere Nationen auf die Herausforderungen der Globalisierung flexibel und schnell zu reagieren. Mit der Anprangerung, dass Deutschland dadurch auf den letzten Platz in Europa abgesunken sei, rief Professor Timmermann den anwesenden Studenten und Absolventen zu "Sie haben viel zu tun, wenn Sie in die Praxis kommen".

"Wieviel Stabilität hätte die D-Mark denn heute noch", stellte Timmermann die Frage und beantwortete diese gleich selbst: "Auf jeden Fall nicht mehr die, die wir gewohnt waren", sagte er, und zeigte dann die ganze sich immer schneller verändernde Situation in allen Bereichen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in Deutschland und der Welt auf bis hin zu den schier unlösbaren Problemen der Bevölkerungsexplosion.

Grundlage allen Übels in der Welt, wie Armut und Hungersnot, sei das totale ökonomische Ungleichgewicht, das letztendlich auch den weltweiten Terrorismus produziere. Die Zahlen, die Timmermann nannte, waren mehr als eindeutig. So beherrschen 18 Prozent der Weltbevölkerung 80 Prozent der Ressourcen während 80 Prozent mit dem Rest auskommen sollen. Auch dass die langsame Umverteilung nicht friedlich ablaufe, schiebt der Professor den reichen Industrieländern zu. "Durch einen enormen Export an Rüstungsgütern in diese Länder habe die westliche Welt die Chance verspielt, dass sich alles friedlich abwickle". Weiter ging der das komplette Globalitäts-Szenario beleuchtende Referent mit den Praktiken der New Economy schwer ins Gericht, die wirtschaftliche Grundsätze nicht nur auf den Kopf gestellt, sondern, dadurch auch noch Riesenverdienste gehabt hätte. Die Folge war, dass der Gewinn mit Geldgeschäften bis zu 35 Prozent abwarf, während der Verdienst durch Arbeit mit 1,5 Prozent ins Minus geriet.

Selbst im eigenen Land habe sich ein Reformstau aufgebaut, der uns in die Rezession geführt habe, meinte Timmermann. Die Seriosität der Wirtschaft müsse wieder belebt werden, verbunden mit einer Abkehr von der Abzockementalität. Er rief die Aufsichtsräte der Unternehmen auf, ihren Pflichten nachzukommen und sich abzeichnendes Missmanagement zu beseitigen. Trotz Globalisierung müssten auch längerfristige Trendfestlegungen gemacht werden, die allerdings auch eine Flop-Kompensation beinhalten sollte. Die Jugend rief er dazu auf, dafür die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Im Anschluss wurden an über 200 Absolventen Diplome verliehen.

Die Preisträger

Für herausragende Leistungen erhielten je 200 Euro: Die Diplom-Betriebswirte Franz Karmann, Silvia Nöbauer, Martin Lier und Andreas Schlagintweit. Weiter wurden noch sechs Studierende ausgezeichnet. Jahrgangsbester und bester bisheriger Absolvent der Fachhochschule ist Diplom-Betriebswirt Franz Karmann.

Die Verleihung des Manfred Zollner-Preises wurde vom Stifter vorgenommen. Die Ehrungen gingen an die Diplom-Ingenieure Matthias Hellge und Siegmund Leitl.

Altlandrat Dr. Georg Karl verlieh die Bauingenieurpreise der Horst-Minihold-Stiftung an die Diplom-Ingenieure Richard Hofmann und Jürgen Knaus. Die Preise waren mit je 1500 Euro dotiert.

Den Deggendorfer Hochschulpreis der mit 5000 Euro dotiert ist, erhielt Professor Dr. Hans Joachim Helml aus der Hand von Oberbürgermeisterin Anna Eder. Das Deggendorfer Stadtoberhaupt hob dabei die besondere Leistung von Helml hervor, der es fertiggebracht habe, von der Forschung bis zur Herstellung megatronischer Produkte auch noch eine Gesellschaft für Fertigungsprozessplanung zu gründen.

 

Plattlinger Anzeiger vom 18. November 2002

 

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